Deutscher Taschenbuch Verlag Carl Hanser Verlag
Rafik Schami
Rafik Schami
Die dunkle Seite der Liebe (3-446-20536-5)
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Schami, Rafik
Die dunkle Seite der Liebe
Roman
896 Seiten

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Die Geschichte Syriens

Zeittafel

0.-8. Jhd. v. Chr.: Erste Siedlung in Damaskus. ca. 8000 v. Chr. Ackerbau. Ab 3500 v. Chr. Städtische Kultur. Ab 3000 v. Chr. Keilschrift.
2. und 1. Jhd. v. Chr.: Region des heutigen Syriens ist im Machtbereich Ägyptens, Babyloniens, der Hethiter, Assyrer und Perser.
Ab 333 v. Chr.: Alexander der Große erobert Syrien.
ab 64 v. Chr.: Die Region wird Teil der Römischen Provinz.
ab 395: Zugehörigkeit zum Oströmischen Reich (Byzanz). Christentum ist Staatsreligion.
635: Eroberung durch muslimische Araber, Damaskus wird (von 661-750) unter den Omayyaden Hauptstadt und Zentrum des islamischen Weltreiches. Bau der Omayyadenmoschee in Damaskus. Christen und Juden bilden die Bevölkerungsmehrheit, die ihre Religionen auch unter der islamischen Herrschaft trotz finanzieller und sozialer Restriktionen weiter praktizieren dürfen. Erst 300 Jahre später bilden die Muslime die Mehrheit. Nach dem Tod des Propheten Mohammed spalten sich die Muslime in die Glaubensrichtungen der Schiiten und der Sunniten auf. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Positionen zur rechtmäßigen Nachfolge des Propheten baut sich zwischen den beiden Gruppen in den folgenden Jahrhunderten eine unüberwindbare Feindschaft auf. Weltweit bilden die radikaleren Schiiten heute nur etwa 10 Prozent aller Muslime, während die überwältigende Mehrheit Sunniten sind.
ab 750: Als Reaktion auf eine Verweltlichung des Islam unter der Omayyadenherrschaft kommt es zur schiitisch unterstützten Revolution der fundamentalistischen Abbasiden, eine aus dem Iran stammende religiöse Gruppierung, die verspricht, die gottgewollte Ordnung wiederherzustellen. Bagdad steigt zum neuen Zentrum der Macht auf. Die Region Syriens wird zu einer Provinz degradiert. Zunehmende Diskriminierung die syrischen Christen und Juden, die sich einem größeren Konversionsdruck ausgesetzt sehen.
11. bis 13. Jhd.: Hochphase der christlichen Kreuzzüge. Die Aufsplitterung der Muslime macht den gemeinsamen Kampf gegen die Kreuzritter unmöglich. Erst die sunnitische Restauration unter Nur ad-Din, der Damaskus zur neuen Blüte brachte, bringt die Einigung Syriens. Sein Feldherr, der Kurde Salah ad-Din (Saladin), erklärt und gewinnt den vereinigten "Heiligen Krieg" gegen die Kreuzfahrer. Im Zuge der sunnitischen Reaktion gegen die schiitische ›Ketzerei‹ werden in Aleppo und Damaskus zahlreiche juristisch-theologische Hochschulen (madrasa) gegründet, an denen das islamische Recht nach sunnitischer Tradition gelehrt wird.
13. bis 15. Jhd.: Mongolenstürme. Erst den Mamluken, einer aus Ägypten stammenden Gruppe ehemaliger Kriegssklaven, gelingt es, den mongolischen Vormarsch unter dem Führer Timur Lenk (Tamerlan) zu stoppen. Die Region Syriens fällt daraufhin unter die Herrschaft der Mameluken in Kairo. Ausbau der Stadtanlagen von Damaskus und Aleppo, wie sie bis heute die Stadtbilder prägen.
ab 1516: Syrien ist das erste arabische Land, das die Osmanen unter der Führung Selim I. erobern. Syrien wird (1516-1918) zu einer Provinz des Osmanischen Reiches. Entstehung der Prachthäuser in Aleppo und Damaskus.
ab 17. Jhd.: Mit dem schleichenden Niedergang des Osmanischen Reiches beginnen die europäischen Staaten, sich verstärkt in der Region zu engagieren. Frankreich entwickelt sich zur Schutzmacht der mit Rom vereinigten römisch-katholischen Christen des syrischen Raums. England fühlt sich den armenischen und den ostsyrischen Christen (Nestorianer) verpflichtet, während der russische Zar zum Beschützer der griechisch-orthodoxen Gläubigen wird. Die ausländische Hilfe für die ›Ungläubigen‹ erregt vielfach den feindlichen Unmut der muslimischen Anhänger der ›wahren Religion‹, die um ihre Rechte fürchten.
1832: Ägyptische Invasion durch Ibrahim Pascha.
1860: Bei einem Massaker ermorden Drusen und Moslems unter Aufsicht des osmanischen Verwalters von Damaskus 5000 Christen.
1866: Protestantische Presbyterianer aus Amerika und französische Jesuiten gründen höhere Bildungseinrichtungen in den größeren Städten.
1914: Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse (Eisenbahnen) und die Vergrößerung der Nutzflächen bewirken einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.
1916: Das Tauziehen der europäischen Großmächte um die Ablösung der türkisch-osmanischen Herrschaft in Vorderasien beginnt. Mit dem sogenannten Sykes-Picot-Abkommen teilen Frankreich und Großbritannien den arabischen Raum unter sich auf. Der osmanische Gouverneur Jamal Pascha läßt im Mai junge syrische Nationalisten öffentlich auf dem Mardscha-Platz erhängen.
1918: Die arabische Armee zieht am 1. Oktober in Damas- kus unter Führung des legendären T. E. Lawrence (von Arabien) ein. Haschemitenfürst Feisal hißt die arabische Flagge, und die Bevölkerung feiert das Ende der osmanischen Herrschaft. Damaskus wird die Hauptstadt eines unabhängigen Großsyriens vom Taurus bis zur arabischen Halbinsel, nur Palästina und Libanon - mit der wichtigen Hafenstadt Beirut - bleiben ausgeschlossen. Feisal wird König.
1920: Frankreich als traditionelle Schutzmacht der römisch-katholischen Christen landet in Syrien. Französische Truppen besetzen Aleppo und Damaskus und vertreiben König Feisal ins britische Exil. Um den syrischen Widerstand zu brechen, spielen die Franzosen die heimischen religiösen Gruppen und Minderheiten gegeneinander aus. Syrien kommt unter französische Mandatsherrschaft und wird in autonome kleine Gebiete aufgeteilt (Abtrennung des Libanon).
1921: Im gesamten Mandatsgebiet kommt es immer wieder zu Unruhen gegen die französische Herrschaft. Die Nationalisten Syriens fordern einen unabhängigen Staat unter dem Einschluß des Libanon.
1923: Gründung der Universität von Damaskus.
1924: Gründung der kommunistischen Partei Syriens. Sie ist jedoch gegenüber den französischen Besatzern aus Rücksicht auf Moskau sehr opportunistisch und dies wird ihr auch Jahrzehnte später als Stigma anhaften.
1925-: Eine von den Drusen im Distrikt Jabal Drus begonnene Rebellion gegen die französische Mandatsherrschaft greift allmählich auf ganz Syrien und Süd-Libanon über. Frankreich schlägt den Aufstand 1926 brutal nieder, erklärt sich jedoch bereit, mehr Selbstverwaltung zu gewähren.
1928: Eine syrische, verfassungsgebende Versammlung proklamiert eine Verfassung, die die unteilbare staatliche Einheit von Syrien, Libanon, Palästina und Transjordanien vorsieht. Frankreich setzt sie 1932 außer Kraft.
1936: Der Syrer Michel Aflaq gründet die Baath-Partei. Er ist ein Mitglied der griechisch-orthodoxen Kirche Syriens, die einen betont arabisch nationalistischen Standpunkt vertritt.
1943: Nach Parlamentswahlen wird in Syrien eine nationale Regierung unter Schukri al-Quwatli als Staatspräsidenten gebildet (1943-49). Dieser drängt auf die Herstellung der vollen Souveränität des Landes und den Abzug der französischen Truppen.
1945: Frankreich schlägt Aufstände gegen die Mandatsherrschaft in Aleppo, Homs, Hama und Damaskus blutig nieder. England droht mit einem militärischen Eingriff zugunsten der Aufständischen, woraufhin sich Frankreich 1946 zurückzieht.
1946: Syrien erlangt erstmals die volle Unabhängigkeit nach dem Abzug der letzten französischen Truppen. Am 17. April wird die Syrische Arabische Republik ausgerufen. Sie wird Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga.
1947-: Die ersten Jahre der jungen Republik sind durch politische Instabilität und Regierungskrisen gekennzeichnet. Dazu trägt auch die Niederlage im ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 bei.
1949: Nach einer schweren innenpolitischen Krise kommt es am 30. 3. 1949 in Syrien zum Staatsstreich des Militärs. Oberst Husni Zaim löst das Parlament auf und errichtet die erste Militärdiktatur der arabischen Welt. Ein Reigen der Putsche nimmt seinen Anfang. Am 14. 8. putscht die Armee wieder. Zaim wird hingerichtet.
1950-: Die Baath-Partei und die Syrische Kommunistische Partei unter ihrem Führer Khalid Bakdasch gewinnen mehr an Gewicht auf der Straße, aber nur wenige Parlamentsitze.
1953: Nach einem Putsch übernimmt Oberst Adib Schischakli offiziell das Amt des syrischen Staatspräsidenten. Obwohl er die politischen Parteien wieder zuläßt, regiert er das Land weiterhin im autokratischen Stil. Schischakli war ein Bewunderer der Nazis.
1954: Sturz von Präsident Adib Schischakli.
1955: Ex-Präsident Shukri Al-Quwatli, Verfechter einer pro-ägyptischen Politik, wird erneut zum syrischen Staatspräsidenten gewählt.
1956: Suezkrieg: England und Frankreich bombardieren ägyptische Städte (Port Said, Port Fuad) und marschieren gemeinsam mit israelischen Truppen ein. Zuvor hatte der ägyptische Präsident den anglo-französisch kontrollierten Suezkanal verstaatlicht, um über die Erhebung von Zöllen einen Staudamm zu finanzieren. England und Frankreich sehen sich schon bald zum Abzug gezwungen und verlieren einen Großteil ihres verbliebenen Einflusses im Nahen Osten.
1958: Syrien und Ägypten vereinigen sich im Eiltempo zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR). Der Grund liegt weniger in der Idee einer arabischen Einheit als in der Furcht vor einer Machtübernahme durch die syrischen Kommunisten. Das aus dem Suezkrieg gestärkt hervorgegangene Staatsoberhaupt Ägyptens Gamal Abd el-Nasser wird Präsident der VAR.
1958-1961: Eine mehrjährige Trockenperiode beendet den wirtschaftlichen Aufschwung seit der Staatsgründung Syriens in den 1940er Jahren. Die politische Polizei geht verstärkt gegen vermeintliche kommunistische und anderweitige ›Störenfriede‹ vor, die unter grausamen Bedingungen inhaftiert und ermordet werden.
1961: Die Union zwischen Syrien und Ägypten wird nach einem Militärputsch syrischer Offiziere wieder gekündigt. Die Armee bestimmt immer mehr die politische Richtung.
Nach Verabschiedung einer provisorischen Verfassung finden in Syrien demokratische Parlamentswahlen statt, die wieder zur Errichtung einer zivilen Regierung führen. Neuer Staatspräsident wird Nazim al-Kudsi.
1963: Die Armee putscht. Nach internen Machtkämpfen geht die Baath-Partei als Sieger hervor. Das parlamentarische System, Parteien und freie Presse werden abgeschafft. Das Machtzentrum bildet ein geheimes Komitee baathistischer Offiziere. Die Einheit der arabischen Welt, Säkularisierung, Verstaatlichung und die Gleichberechtigung der Frauen zählen zu den wichtigsten offiziellen Zielen der Partei. Es bleibt aber bei der hohlen Propaganda.
1963-: General Amin Al-Hafiz wird Vorsitzender des Nationalen Revolutionsrates. Die städtische Bourgeoisie verliert nach und nach ihre wirtschaftliche Basis und ihren politischen Einfluß. Die Landaristokratie und die Handels- und Industriekreise, die bis dahin die Regierungspolitik bestimmt hatten, werden durch die Baath-Partei entmachtet.
1963 -1966: Eine Reihe von internen Kämpfen der diversen Flügel und Gruppen der Baathpartei. Lähmung des öffentlichen kulturellen Lebens durch die Baath-Partei. Die Geheimdienste werden immer mächtiger.
1965: Beginn des bewaffneten palästinensischen Widerstandes. Syrien ist ein Frontland.
1966: Militärputsch des linken Flügels der Baath-Partei. Der neue Kurs besteht in einer radikal sozialistischen Politik nach innen und einer engen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und dem Ostblock nach außen. Präsident wird der Arzt aus feudaler Familie: Nur al-Din al-Atassi.
1967: Israel führt den Sechs-Tage-Krieg gegen die Araber: Syrien verliert den größten Teil der strategisch wichtigen Golanhöhen.
1970: Hafiz Al-Assad putscht sich mit seinem Bruder gegen die eigenen Genossen an die Macht. Er nennt seinen Putsch "Korrekturbewegung". Als Alawite sieht die Mehrheit der 70 Prozent Sunniten im Land in ihm einen religiösen Ketzer. Assad installiert ein undurchsichtiges Herrschaftssystem seiner Sippe und sorgt durch eine brutale Interessenpolitik dafür, daß die Alawiten Staatsapparat und Militär weit überrepräsentiert sind. Die moskautreuen Kommunisten spalten sich. Der unabhängige Teil wird verfolgt, und die von Khalid Bakdasch geführte winzige Partei wird zu Assads Anhängsel.
1971 - 2000: Hafiz Al-Assad regiert als Staatspräsident. Dank seiner starken Autorität und dem Aufbau eines Netzes von bis zu 15 Geheimdiensten gelingt es ihm, die Machtbestrebungen des Militärs im Zaum zu halten und als Integrationsfigur zu wirken. Der Ostblock unterstützt ihn aus falschem strategischen Kalkül.
1982: Ein Aufstand der Muslimbruderschaft in der mittelsyrischen Stadt Hama gegen Präsident Hafiz Al-Assad wird vom Militär blutig niedergeschlagen (mindestens 15.000 Tote). Bei der Muslimbruderschaft handelt es sich um eine fundamentalistische Gruppierung, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts gebildet hat.
1998: Trotz starker Förderung der Industrie bleibt die Landwirtschaft nach wie vor die Basis der syrischen Wirtschaft. Überwiegend für den Eigenbedarf angebaut werden Getreide, Gemüse, Obst, Oliven und Zuckerrohr, während der größte Teil der Baumwolle für den Export bestimmt ist. In Zentral- und Ostsyrien, wo eine Kultivierung von Ackerland auch durch Bewässerung nicht zu erreichen ist, nimmt die Schafhaltung einen hohen Stellenwert ein. Wichtigste Zweige der Industrie sind der Abbau und die Förderung von Phosphat und Erdöl, deren Verarbeitung zu Düngemitteln oder Erdölprodukten und die wachsende Zahl von Nahrungsmittel- und Textilfabriken. Auch der Fremdenverkehr hat sich mit jährlich etwa zwei Millionen ausländischen Gästen zu einer bedeutenden Deviseneinnahmequelle entwickelt.
2000: Nach langer schwerer Krankheit stirbt Präsident Hafiz Al-Assad im Alter von 69 Jahren. Bereits wenige Stunden nach dem Tod Assads wird sein 34-jähriger Sohn Baschar offiziell als Nachfolger nominiert und zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt.
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