Deutscher Taschenbuch Verlag Carl Hanser Verlag
Rafik Schami
Rafik Schami
Die dunkle Seite der Liebe (3-446-20536-5)
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Schami, Rafik
Die dunkle Seite der Liebe
Roman
896 Seiten

Euro 24,90 € [D] 25,60 €[A]
sFr 44,50 €

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Armut, die reich macht

Die wichtigsten Figuren des Romans und
die Liebe zwischen Rana und Farid.


Der Roman ist von einer schillernden Vielzahl an Menschen bevölkert: von zwielichtigen Geheimdienstoffizieren und einer auffällig entspannten, schönen Witwe; einem jungen und ehrgeizigen Kommissar in Damaskus, der an dem Fall seines Lebens arbeitet; von seinem nutzlosen Adjutanten, der seit seiner Begegnung mit der durch Syrien reisenden Agatha Christie eine Mausefallen-Obsession entwickelt hat; von redseligen Taxifahrern und verrückten Seemännern; von betrunkenen Staatsoberhäuptern und verschreckten Bischöfen und natürlich von den zahlreichen Familienangehörigen der Schahins und Muschtaks, von denen hier nur die wichtigsten in Kürze vorgestellt werden (die Stammbäume der beiden Clans befinden sich hinten im Einlesebuch):

Clangründer und Großvater Jusuf Schahin: ein Großgrundbesitzer und Pferdezüchter. Er war vor Georg Muschtak der unangefochten reichste Mann in Mala. Zunächst freundet er sich mit dem mysteriösen Fremden an, doch schon bald werden sie zu den größten Feinden. Jusuf ist mit Samia Churi, der Tochter eines großen Textilfabrikanten aus Aleppo, verheiratet, hat acht Kinder und ein großes Geheimnis …

Faris Schahin: einer der fünf Söhne Jusufs und ein verschlagener Großhändler der Landwirtschaft. Er tritt die Nachfolge seiner Vaters auf dem Rachefeldzug gegen die Schahins an. Aber seine Methoden sind wesentlich subtiler …

Jasmin Schahin: eine der drei Töchter von Jusuf und Samia. Eine Frucht der Liebe, die in ihrem dreißigsten Lebensjahr am eigenen Leib erfahren muß, welche Konsequenzen es hat, gegen den Willen der Familie einen Muslim zu heiraten …

Basil Schahin: ein weiterer, im Jahre 1914 geborener Sohn Jusufs. Er ist hochbegabt und studierte in Paris Jura. Mit seiner Frau, eine Damaszener Lehrerin, hat er zwei Kinder: Jack und die im Jahre 1940 geborene, weibliche Heldin des Romans, Rana

Clangründer und Großvater Georg Muschtak: Seine Frau Sarka lehnt es ab, einen vermögenden Zwerg mit Segelohren zu heiraten, und flieht statt dessen mit Georg quer durch das Heilige Land bis nach Mala, wo sie ihre neue Heimat finden. Doch Georg bleibt nicht der Alte und der Zwerg gibt keine Ruhe …

Salman Muschtak: der Erstgeborene Sohn Georgs. Er genießt die besondere Liebe seines Vaters, übernimmt dessen Hof und modernisiert ihn. Nach einem schrecklichen Ereignis stirbt er als erster in der langen Geschichte des Dorfes an einem Herzinfarkt. Zuvor stürzt er sich jedoch noch in unzählige Affären …

Malake Muschtak: die rebellische Tochter von Georg. Er verspürt eine seltsame Abneigung gegen das Mädchen, das in der Liebe ihren eigenen Weg geht und sich für immer mit ihrem Vater entzweit. Ihre Tochter Laila wird die Lieblingscousine des männlichen Helden Farid, in den sie sich unsterblich verliebt …

Elias Muschtak: Georgs dritter und letzter Sohn. Geboren im Jahre 1914, ist er das schwarze Schaf der Familie. Wie seine Schwester Malake gerät er schon als Kleinkind mit seinem Vater aneinander, allerdings aus einem rein äußerlichen Grund. Eines Sommers lernt er Claire Surur, die Tochter eines Bankangestellten, kennen, die in Mala Ferien macht. Neben ihrer Liebe teilen sie die Begeisterung für französische Literatur und die Abneigung gegenüber dem Dorfleben. Gemeinsam suchen sie in Damaskus ihr Glück, gegen den Willen des Patriarchen Georg Muschtak. Er verzeiht es ihnen nicht …

Schams Muschtak: Elias verrückter und bestechend gutaussehender Halbbruder. Nach einer heftigen Affäre mit Samira, der Tochter des Dorfältesten, verschwindet er. Niemand weiß, was aus ihm geworden ist …

Claire Surur: Elias' Frau. Eine bildschöne Städterin aus einer Angestellten- und Beamtenfamilie. Ihre Mutter ist ein unangenehmer Emporkömmling und herrscht rabiat. Der Gründer ihrer Familie stammt aus Venedig, wo er schon mit Verdi an einem Tisch saß. Er wurde in Damaskus ein bedeutender Kontor und Gewürzhändler. Claire bringt nach mehreren Fehlgeburten im Jahre 1940 Farid zur Welt, der bereits dreizehn Jahre später erwachsen werden sollte …

Wenn sich Farid später fragte, wann seine Kindheit zu Ende war, so schien es ihm, es müsse im Frühjahr 1953 gewesen sein. Da hatte er gelernt, daß Liebe in Arabien stärker von den Angaben im Ausweis als vom Gefühl im Herzen abhängt. Und das wissen nur Erwachsene.
Für den dreizehnjährigen Farid wird das Jahr 1953 eines der befreiendsten und bedrückendsten Jahre seines Lebens: Im Haus eines muslimischen Großgrundbesitzers aus Damaskus begegnet er zum ersten Mal der jungen Rana: Die beiden verlieben sich auf den ersten Blick. Und sie wissen auf Anhieb, eine gemeinsame Zukunft stünde ihnen nur offen, wenn beide Christen wären. Doch wie können sie sich darüber in einem muslimischen Haus verständigen, ohne die religiösen Gefühle des anderen und die des Gastgebers zu verletzen?
Beide ahnen in diesem Moment nicht, daß es nicht ihre Religion, sondern ihre Familienzugehörigkeit ist, die für sie nach ihrem ersten Zusammentreffen zur größten Gefahr wird. Denn der Krieg zwischen den Schahins und den Muschtaks tobt in diesem Jahr auf das heftigste, und mit Rana und Farid haben sich ausgerechnet zwei Enkelkinder der Clanführer verliebt. Schon bald erfahren die beiden von der Aussichtslosigkeit ihrer Situation, der sie mit einer Mischung aus wilder Entschlossenheit und mit nagendem Zweifel begegnen: Und glaubst du wirklich, daß unsere Liebe eine Chance hat, all die mörderischen Feinde und Verbote zu überleben? Neun Jahre und ein ganzer Roman liegen zwischen dem Moment, in dem Farid diese Frage an Rana richtet, und ihrer Antwort.
Rafik Schami läßt uns mit seinem neuen Roman nicht nur ein weiteres Mal in die einzigartige Welt seiner erzählerischen Phantasie eintauchen, er gründet mit dem ersten modernen historischen Romans Syriens darüber hinaus auch ein neues Genre. Die folgende Leseprobe gibt einen ersten Einblick.

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