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Schami, Rafik
Die dunkle Seite der Liebe
Roman 896 Seiten
Euro 24,90 € [D] 25,60 €[A] sFr 44,50 €
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» Interview
» Ort des Geschehens
» Zeittafel
» Figuren
» Clans
Wie der Haß begann ...
Die Blutsfehde zwischen den Muschtaks und den Schahins
Mala war ein reiches christliches Dorf. Hoch in den Bergen
gelegen, war es gegen die meisten Araber geschützt gewesen, die in
den vierhundert Jahren osmanischer Herrschaft im Land plünderten
und brandschatzten. Auch die Beduinen, die in verschiedenen Wellen die Dörfer in der Ebene überfallen hatten, um dem Hungertod zu
entrinnen, waren ihnen erspart geblieben. So war Mala zu einer
Perle unter den Dörfern geworden. Schon in den Zwanzigerjahren
hatte es elektrisches Licht, eine Wasserleitung und vier Kaffeehäuser
gegeben. Viele reiche Emigranten, die aus Mala stammten, hatten
aus Amerika, Kanada und Australien Geld geschickt.
Die Klöster des heiligen Sergius und der heiligen Takla
waren berühmt für ihre Wunder.
In diesem Dorf bilden die Muslime traditionell die Minderheit gegenüber den christlichen Gemeinden, die noch heute in einem Dialekt sprechen, der vom Aramäischen, also von der Sprache Jesu, gefärbt ist. Das im Ort gelegene Takla-Kloster verdankt seinen Namen der Heiligen Takla, die der Legende nach vom Apostel Paulus höchstpersönlich zum Christentum bekehrt wurde. Noch heute wird jährlich am 23. September das Fest der heiligen Takla begangen. Eine Woche davor, am 14. September, feiern die 3000 Maalulianer mit über 300000 Besuchern das Kreuzfest.
Und dennoch erleben wir diesen wunderschönen Ort in Schamis Roman nicht gerade als einen Schauplatz uneingeschränkter Nächstenliebe. Im Gegenteil: Schon seit drei Generationen tobt in Mala eine gnadenlose Familienfehde zwischen den beiden größten und reichsten Sippen des Ortes, den Schahins, mit ihrem Oberhaupt Jusuf, und den Muschtaks, dessen Familiengründer Georg mit seiner Frau Sakla in Mala Zuflucht gefunden hat. Jusuf ist der Großvater von Rana, Georg ist der Großvater Farids. Mord und Brandschatzen sind zwischen den Familien an der Tagesordnung. Keiner der Bewohner weiß wirklich, was diese Fehde ausgelöst hat, aber alle wissen, daß bisher noch jeder Versöhnungsversuch gescheitert ist. Und ohne zu viel verraten zu wollen, sei hier nur vorweggenommen, daß wie so oft mehrere Gründe im Spiel sind, von denen hier nur eine Frau und die Religionszugehörigkeit genannt werden sollen. Denn die Schahins sind orthodoxe Christen, die Muschtaks katholische. In dem Roman heißt es hierzu:
"In Damaskus waren die Feindseligkeiten beider Kirchen wenigstens diplomatisch kaschiert. Ein Fremder konnte sie kaum wahrnehmen. Doch in den Bergen von Mala war alles drastischer. So wie der Thymian schärfer schmeckte, war auch die Feindschaft verbissener."
Doch gefährlich ist diese Feindschaft nicht nur für die Familienmitglieder, sondern für die Sicherheit des gesamten Dorfes. Denn innere Konflikte machen eine Gemeinschaft immer anfällig für feindliche Angriffe von außen. Und einen solchen Feind hat Georg Muschtak in Hassan Kaschat, der mit Georg Muschtak, der eigentlich gar nicht Georg Muschtak heißt, noch eine tödliche Rechnung zu begleichen hat.
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